Die Grenze ist kein Ort, sondern ein Zustand. An der Schnittstelle von Vergangenheit und Gegenwart, Staat und Individuum dokumentiert das Projekt eine archäologische Kartierung des Unsichtbaren:Bodenstücke werden an Orten abgeformt, an denen. sich Geschichte, Kontrolle, Bewegung und Unsicherheit eingeschrieben haben – Tatorte, Grenzlinien, Warteschleifen, Zonen des Stillstands.
Das Konzept für eine Wandinstallation bezieht sich auf die alltägliche Arbeit der Beamtinnen und Beamten im Grenzgebiet – auf Straßen, Bahnstrecken und andere Transportachsen. Die Grenze erscheint hier nicht als Strich auf einer Karte, sondern als ein sich wandelnder
Zustand, eingeschrieben in Wege, Umwege, Kontrollpunkte und Fluchtlinien. In dieser von Geschichte, Schengenraum, Migration und politischen Spannungen geprägten Region hat der Boden Gedächtnis.
Mit diesem Projekt – Bodenabdrücken von Orten rund um die deutsche und polnische Grenze – soll die »Straße als Arbeitsplatz« der Bundepolizei sichtbar gemacht werden. Geschichtsträchtige Orte, Tatorte oder besonderen Räumen im Grenzgebiet lassen sich als konservierte Spuren menschlichen Handelns und kollektiver Geschichte lesen – eine Art archäologische Zukunft, die soziale, politische oder kulturelle Spannungen sedimentiert. Im nächsten Schritt werden die Bodenabdrücke für die Zukunft konserviert und mittels Steinimitaten aus Kunstharz zu Fossilen der Gegenwart gemacht. Inspiriert ist dieser Prozess durch die für ihre vielfältigen Sedimentformationen (eine Art »Geschichtsspeicher«) bekannte Lausitz – Sandstein, Tonstein, Kalkstein, Schiefer und nicht zuletzt Braunkohle sind hier zu finden.
Die entstandenen Bodenreliefs erinnern an geologische Fundstücke, als hätte man Jahrhunderte später die Topografie der Grenzregion ausgegraben. Sie zeigen Pflasterritzungen, Reifenspuren, Risse, Müllreste, Grasnester – alles, was der Boden preisgibt. Die Abgüsse wirken wie Fossilien, konservieren Spuren menschlicher Anwesenheit, Abwesenheit oder Spannung.